Loslassen hat viel mit Gelassenheit zu tun – und auch mit Glück.
Schon im Wort selbst steckt das Verb „lassen“. Ein christlicher Mystiker aus dem Mittelalter sagte einmal: „Man muss erst lassen können, um gelassen zu sein.“
Dabei tauchen gleich mehrere Begriffe auf, die eng miteinander verbunden sind: zulassen, loslassen, sein lassen und einlassen.
Wie leicht fallen dir diese Dinge?
Zulassen
Viele von uns haben gelernt, bestimmte Gefühle oder Gedanken lieber zu verstecken oder zu unterdrücken, weil man das „nicht zeigt“ oder „so etwas nicht gehört“. Doch dieses Wegdrücken kostet viel Energie.
Gefühle wie Unsicherheit, Widersprüche, Tränen, Wut, Neid, Ohnmacht oder Schmerz dürfen jedoch da sein. Wenn wir sie zulassen, können wir sie wahrnehmen und ausdrücken – und genau darin liegt auch großes Potenzial für persönliches Wachstum.
Die Frage ist also: Was möchtest du in deinem Leben mehr zulassen?
Loslassen
Oft halten wir an vielen Dingen fest – nicht nur an Menschen, sondern auch an Gewohnheiten, Einstellungen oder Überzeugungen. Gleichzeitig erwarten wir, dass andere sich so verhalten, wie wir es für richtig halten. Wenn das nicht geschieht, reagiert unser Stresssystem sofort.
Loslassen bedeutet jedoch mehr als nur etwas aufzugeben. Es kann auch heißen: aufhören, etwas ruhen lassen, stehen lassen oder bewusst in Frieden belassen. Es ist ein Prozess, in dem wir uns Schritt für Schritt von Altem lösen.
Wenn sich etwas löst, kann sich auch das, was festgefahren war, wieder entspannen und neue Energie freisetzen.
Sein lassen
Wenn wir loslassen, entsteht Raum, uns selbst mehr sein zu lassen. Durch ein besseres Verständnis unserer inneren Zusammenhänge können wir wieder Zugang zu unserem inneren Raum finden – und freier atmen.
Mit wachsendem Vertrauen wächst auch die Gelassenheit.
„Sein lassen“ bedeutet, sich selbst nicht ständig zu kontrollieren oder zu manipulieren. Grübeln wird weniger, die innere Kritik verliert an Schärfe. Wir gewinnen neue Wahlmöglichkeiten und können uns weiterentwickeln und entfalten.
Wer sich selbst sein lassen kann, fällt es oft auch leichter, andere so zu akzeptieren, wie sie sind.
Einlassen
Sich auf etwas einzulassen bedeutet, offen für Neues zu sein. Du kannst neue Erfahrungen machen, neue Menschen kennenlernen und dich auf Aufgaben konzentrieren, in denen du aufgehen kannst.
Manchmal stellst du dabei auch fest, dass etwas doch nicht zu dir passt – und genau darin liegt eine wichtige Erkenntnis. So kannst du prüfen, welche Gedanken oder Überzeugungen du vielleicht loslassen möchtest.
Wenn du dich auf Neues einlässt, kannst du Neues zulassen – und Altes loslassen.
Ein Prozess, kein schneller Knopf
Viele Menschen wünschen sich Gelassenheit am liebsten sofort. Doch Gelassenheit entsteht nicht über Nacht – sie entwickelt sich Schritt für Schritt. Es ist ein Prozess, der Aufmerksamkeit und Übung braucht.
Bleib geduldig mit dir selbst. Mit der Zeit wachsen Lebenszufriedenheit, innere Ruhe, Stärke, Vertrauen und ein Gefühl von Sicherheit. Gleichzeitig ist es völlig normal, bei Rückschlägen Emotionen zu spüren. Wir sind keine emotionslosen Wesen – und genau das macht uns menschlich.
Warum fällt Loslassen oft so schwer?
Vielleicht kennst du Situationen, in denen dir Loslassen schwer gefallen ist:
eine Gewohnheit, eine Beziehung, Ängste, Schuldgefühle, einen Job oder alte Glaubenssätze.
Oft hören wir dabei Sätze wie:
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„Das kann man doch nicht einfach machen.“
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„Ich habe schon so viel investiert.“
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„Ohne mich schafft er oder sie das nicht.“
Ein passendes Sprichwort dazu lautet:
„Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest – steig ab.“
Was steckt hinter dem Festhalten?
Häufig stehen hinter dem Nicht-Loslassen-Können zum Beispiel:
Der Gewinn des Loslassens
Loslassen bedeutet nicht aufzugeben – sondern bewusst zu akzeptieren, was ist. Wenn du eine Situation annimmst, verlieren Ausreden an Bedeutung und neue Möglichkeiten entstehen.
Du wirst wieder freier, deinen eigenen Weg zu gehen. Vielleicht ist dieser Weg zunächst nur ein kleiner Trampelpfad – aber genau darin liegt die Chance, ihn neu zu entdecken.
Mit jedem Schritt wachsen Selbstvertrauen, innere Ruhe und Gelassenheit.
“Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte. Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich, was ich brauche.” (Lao Tse)