Sprache & Mehrsprachigkeit

Die sprachliche Entwicklung ist ein zentraler Bestandteil der kindlichen Gesamtentwicklung. Sprache ermöglicht es Kindern (nicht nur Kindern), ihre Bedürfnisse auszudrücken, Beziehungen aufzubauen und die Welt zu verstehen. In einer zunehmend globalisierten Gesellschaft wächst zudem die Bedeutung von Mehrsprachigkeit. Wir brauchen die Sprache auch beim Lernen (und nicht nur beim Schreiben). Es hilft nicht nur Gedanken zu verstehen sondern auch neue Dinge zu begreifen. Für die Schulreife (nennen wir es “Schulfähigkeit) ist die sprachliche Kompetenz gefordert. Aber zum Glück sind Kinder ja wissbegierig und experimentieren schon vor Schuleintritt mit Formen, Linien, Buchstaben….

Aber alleine das reicht nicht aus, denn wir brauchen auch Kommunikation. Aber was ist dafür überhaupt notwendig, um erfolgreich zu kommunizieren? Wir müssen das Lautsystem beherrschen, denn es kann vorkommen wenn sich nur ein Laut ändert, dass das Wort eine völlig neue Bedeutung erhält (z.B. sein/mein). Wir müssen wissen, wie Wörter zusammengesetzt werden (Katze und Katzen – durch das “n” erhalten wir den Plural (Mehrzahl). Dann müssen wir noch die Inhalt des Wortes kennen und auch noch wie man es in der jeweiligen Sprache und Situation angemessen einsetzt. Stimmt´s über das hast du noch nicht nachgedacht, was dein Kind alles beherrschen muss? 

Aber wann beginnt die Kommunikation? 

Die Sprachentwicklung beginnt bereits vor der Geburt. Ungeborene Kinder nehmen Stimmen und Sprachmelodien wahr. Nach der Geburt durchlaufen Kinder mehrere Phasen:

  • Vorlaufphase (0–12 Monate): Lallen, erste Lautäußerungen und das Erkennen von Sprachrhythmen.
  • Einwortphase (ca. 12–18 Monate): Erste Wörter mit oft umfassender Bedeutung (z. B. „Mama“ für verschiedene Situationen).
  • Zweiwortphase (ca. 18–24 Monate): Kombination von Wörtern („Mama kommen“).
  • Mehrwortphase (ab ca. 2 Jahren): Zunehmend komplexe Sätze und wachsender Wortschatz.

Die Sprachentwicklung ist stark abhängig von Interaktion. Kinder lernen Sprache vor allem durch Zuhören, Nachahmen und den sozialen Austausch.

Wie kann man die Sprache fördern? 

Sprachförderung muss nicht kompliziert sein – sie geschieht am effektivsten im Alltag. Wichtige Strategien sind:

  • Aktives Zuhören: Auf Äußerungen des Kindes eingehen und Interesse zeigen.
  • Erweiterung von Aussagen: Das Gesagte des Kindes sprachlich erweitern.
  • Vorlesen: Bücher fördern Wortschatz, Grammatik und Fantasie.
  • Sprachreiche Umgebung: Gespräche, Lieder und Reime unterstützen die Entwicklung.
  • Geduld und Zeit: Kinder brauchen Raum, um sich auszudrücken.
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Was bedeutet eigentlich Mehrsprachigkeit? 

Wenn du dich fragst, ab wann ist es “mehrsprachig”? Wie viele Sprachen beherrscht du? Wenn es mehr als 2 sind, dann gilt das als mehrsprachig. Aber was bedeutet beherrschen? Damit ist sprechen gemeint, dass bedeutet nicht, dass du Texte lesen oder Schreiben kannst. Wenn dies der Fall wäre, dann wären wir beim Begriff Bilateralität. 

Kommen wir nun zu einem weiteren wichtigen Begriff: dem Bilinguismus. Mehrsprachige Kinder und Erwachsene verwenden ihre Sprachen meist situationsabhängig – zum Beispiel Deutsch in der Schule und die Familiensprache zu Hause. Mehrsprachigkeit ist in vielen Köpfen noch immer negativ behaftet. Häufig wird automatisch ein erhöhter Förderbedarf angenommen – oft jedoch völlig zu Unrecht. Tatsächlich ist Mehrsprachigkeit etwas sehr Wertvolles. Aus Sicht eines Lerncoaches bietet sie sogar große Chancen: Gute Kenntnisse in der Erstsprache unterstützen das Erlernen weiterer Sprachen erheblich. Auch wissenschaftliche Studien zeigen, dass es für Kinder keineswegs ein Nachteil ist, früh zwei oder mehrere Sprachen zu lernen. Im Gegenteil: Wenn Kinder bis etwa zum dritten Lebensjahr mehrere Sprachen erwerben, bildet sich dafür ein gemeinsames neuronales Netzwerk im Gehirn. Erfolgt der Spracherwerb später, wird ein zusätzliches Netzwerk aufgebaut. Ab etwa dem vierten Lebensjahr wird das Erlernen einer weiteren Sprache zwar etwas aufwendiger und erfordert mehr Energie, bleibt aber weiterhin sehr gut möglich. Erfolgt der Spracherwerb bis zum sechsten Lebensjahr, bestehen zudem gute Chancen, ein nahezu muttersprachliches Niveau zu erreichen. In diesem Zusammenhang spricht man vom sogenannten „doppelten Erstspracherwerb“.